Bianca Fischer

Jetzt musste ich grade schon ein wenig über mich selbst lachen (und den Kopf schütteln).

Denn wahrscheinlich schreit nix so sehr "ADHS!" wie die Tatsache, dass dieser Blogartikel hier - der ja Teil 2 zu einem Teil 1 ist - einfach mal über 2 JAHRE nach dem ersten Teil erscheint (der kam nämlich im Februar 2024).

Da war ich Feuer und Flamme, hatte so viele Gedanken und so viel zu sagen, dass es nicht in einen Artikel gepasst hat... dummerweise war es nach der Fertigstellung des ersten Teil ca. 3 Uhr morgens und meine Flamme grade ausgegangen. Ups.

"Kein Ding"- sagte ich mir wahrscheinlich - "Schreib ich morgen weiter!".

Und so zogen die Jahre ins Land, ich heiratete und bekam ein Kind, wurde alt und grau...

Spaß. Also das mit dem Altwerden. Der Rest stimmt 😂.

Weil mein Hirn aber nicht-fertiggestellte Dinge so gar nicht abkann, schreib ich den zweiten Teil jetzt trotzdem - hab mich dafür extra nochmal reingefühlt! (Lest das, los! 😉)

Also, hier mit einer Verspätung, die sogar die Deutsche Bahn stolz machen würde, Teil 2 von "Butter bei die Fische - die Wahrheit über das Selbstständig-sein"

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Hello again!

So, wie versprochen, hier kommt der zweite Teil der #Realtalk-Reihe in Fischfleischgurken-Land 😁

Im letzten Artikel hatte ich ja angekündigt, dass ich alle Fragen, die Nathalie Oho in ihrem LinkedIn-Post zurecht aufwirft, einmal anhand meiner Geschichte als "Junggründerin" beantworte.

Zur Erinnerung hier nochmal Nathalies Text (die "Vollversion" findet ihr unter dem Link am Ende):

In diesen Beiträgen wird vorrangig der Eindruck erzeugt, der Schritt in die Selbständigkeit ginge easypeasy von der Hand. Heute noch abhängig beschäftigt, morgen schon selbständig erfolgreich.

Die Beiträge enthalten aber selten Informationen darüber:

- Wie lange man tatsächlich schon selbständig ist
- welche Unterstützung und von wem man diese erhalten hat. Wohnt und lebt man allein oder noch bei den Eltern oder trägt der Partner vielleicht gar den Löwenanteil zum Lebensunterhalt bei?
- Wie man sich die Selbständigkeit finanziert hat. Durch staatliche Förderung, durch Kredit oder aus eigenen Mitteln?

Nie wird in diesen Beiträgen die überbordende Bürokratie erwähnt. Das Problem der Steueranmeldung, der Krankenversicherung und der Nachforderung von beidem nach dem ersten Jahr. Wenn über Geld gesprochen wird, dann meistens vom Umsatz. Selten über den Gewinn. Das, was netto am Ende herauskommt, ist ein Bruchteil von dem, was auf dem Konto landet."

Den ganzen Post könnt ihr hier lesen: https://www.linkedin.com/posts/nathalie-oho-6aa38a207_ich-habe-meinen-job-gek%C3%BCndigt-und-es-nie-activity-7167552097041772544-cWIu?utm_source=share&utm_medium=member_desktop

Fingerchen gelockert und LOS GEHT`S (in chronologischer Reihenfolge) - wie ist das so bei mir?:

1. Wie lange bin ich schon selbstständig? (Und womit? Denn das spielt eine riesige Rolle!)

Hmm als ich den Artikel schreiben WOLLTE, war es gerade 1 Jahr. Heute sind es etwas über 3 Jahre - bin immer noch da, also kann es so falsch nicht gewesen sein, was ich in der Zeit gemacht habe 😎

Anfang 2024 hab ich mich komplett auf Gründungsberatung spezialisiert, bis heute hauptsächlich via AVGS-Förderung (heisst,das Arbeitsamt bezahlt meine Beratung für Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen wollen) und mit Fokus auf den Gründungszuschuss.

Ergänzend biete ich meine Beratung natürlich auch Privatzahler*innen an, das sind aber bis heute relativ wenige Kund*innen.

Und dann gibt es seit September 2024 auch noch die Rainbowbizz-Community für neurodivergente Selbstständige ❤️

Nach mittlerweile über 3 Jahren kann ich sagen: Ich liebe es immer noch! Und ich schöpfe das Marktpotenzial nicht ansatzweise aus bisher...

2. Welche Unterstützung habe ich erhalten und von wem?

Zum einen hatte ich zu Beginn selbst den Gründungszuschuss von der Arbeitsagentur. Und mein Mann unterstützt mich seit Tag 1, weil er gemerkt hat, wie schlecht es mir im Angestelltenverhältnis ging. Da er nebenberuflich Websites für Kleine Unternehmen und Gründer*innen baut, haben wir zudem klasse Synergie-Effekte 😎.

3. Wie habe ich die Selbstständigkeit finanziert (und tue es noch)?

Zunächst über den Gründungszuschuss der Arbeitsagentur, seit September 2023 ergänzt ein Nebenjob über 15h/Woche mein Business finanziell.

Abgesehen davon, dass ich gerade in Elternzeit bin, werde ich das auch weiterhin so handhaben, relativ unabhängig davon, wie gut sich meine Umsätze entwickeln.

Das hat vor allem zwei Gründe:

  1. Ich mag das gute Gefühl, dass meine Grundkosten gedeckt sind, selbst wenn es im Business mal nicht läuft.
  2. Mein Gehirn braucht die Abwechslung und es tut mir nicht gut, ausschließlich zuhause am Computer zu sitzen - da verlottere ich komplett.

Wichtig: ich kann alles vor allem auch deswegen so entspannt angehen, weil mein Partner mich finanziell auffängt, wenn es sein muss, vor allem jetzt in der Baby-Zeit. Allerdings fühlt sich das alles andere als gut an, weswegen mein erklärtes Ziel ist, in den nächsten Jahren mein Business auf (mehrfach) sechsstellig im Jahr zu skalieren.

Nein, da bin ich noch lange nicht. Mehr dazu unter Frage 5.

4. Wie manage ich das mit der Bürokratie?

Tatsächlich empfinde ich das gar nicht als so schlimm, wenn man Schritt für Schritt vorgeht und sich einen Plan macht. Dann wirkt der ganze Haufen (Gewerbeanmeldung bzw. steuerlicher Erfassungsbogen, Krankenversicherung, Rente, weitere Business-spezifische Versicherungen, Steuernummer, Rechnungen schreiben, AGB und Impressum etc.) gar nicht mehr so schlimm.

Das Thema Steuern hab ich nach 6 Monaten Selbstständigkeit an einen Steuerberater abgegeben (die wichtigste Investition am Anfang aus meiner Sicht!) und meine Buchhaltung und mein Geschäftskonto liegen bei Lexware.

Wichtige Faustregel hier: Vom Nettoumsatz (also exklusive Umsatzsteuer) gehören dir nur etwa 50% wenn du Steuern, Krankenversicherung und Rentenversicherung abziehst!

Am besten legst du automatisiert bei jedem Zahlungseingang direkt ca 30% für Steuern und 20% für Sozialabgaben zurück (geht bei vielen Geschäftskonten mittlerweile per virtuelle Unterkonten, z.B. bei N26, Kontist* oder C24).

In den ersten Jahren wird es je nach deinem Umsatz wahrscheinlich weniger sein, aber lieber zu viel zurücklegen als zu wenig - Nachforderungen von Krankenkasse und Finanzamt haben schon so einige Gründer*innen ihr Business gekostet bevor es wirklich abheben konnte, das muss echt nicht sein!

Die Gewerbeanmeldung war in 10 Minuten beim Gewerbeamt erledigt (du kannst einfach online rausfinden, wer da bei dir zuständig ist). Den steuerlichen Erfassungsbogen hab ich mithilfe eines Tutorials ausgefüllt, wenn du hier was falsch machst, sagt dir dein Finanzamt in der Regel Bescheid.

Generell: keine Angst vor Behörden! Das sind Menschen und mit denen kannst du reden. Bei Unsicherheiten schreib eine Mail oder ruf an, die beissen nicht 😉.

Easy oder?

Bzw. am Anfang fühlt sich das für dich wahrscheinlich nicht so easy an, deswegen: Stück für Stück, du musst nicht alles heute und sofort beisammen haben! Ich hab die Infos alle in einer Checkliste zusammengefasst, das kommt in einem extra-Post.

5. Wie sieht´s denn aus mit Umsatz vs. Gewinn?

Mhhhmmm, eins meiner Lieblingsthemen 😁

  • Im 1. Jahr hab ich einen Bruttoumsatz von etwa 26.000€ gemacht (Gewinn etwa die Hälfte)
  • Im 2. Jahr waren es etwa 19.000€ (Gewinn... unterirdisch. Irgendwas um die 3.000€)
  • Im 3. Jahr gut 30.000€ (Gewinn etwas über 15.000€ geschätzt)

Klingt wenig? Hatte aber Gründe und statistisch gesehen, sind diese Umsätze (mit Ausnahme des zweiten Businessjahres) gar nicht so schlecht, für jemanden mit ADHS und Nebenjob.

Ich hab dazu mal den Blechkopp (aka KI) gefragt, wie die Zahlen dazu so aussehen und das hier war die Antwort:

"Umsatzverteilung im ersten Jahr (Schätzwerte & Branchenfokus)

Die Top-Performer (B2B / High-Ticket): Wer direkt Unternehmen adressiert (Executive Coaching, Agile Coaching) oder hochpreisige Coaching-Pakete (ab 2.000 € bis 5.000 € pro Kunde) verkauft, kann im ersten Jahr 70.000 € bis über 100.000 € umsetzen."

Der Einstieg (Nebenerwerb / B2C-Fokus): Ca. 60 % der Coaches starten nebenberuflich oder fokussieren sich auf Privatkunden (Life Coaching, Beziehungsberatung). Der Jahresumsatz liegt hier meist bei 10.000 € bis 25.000 €. Viele nutzen die Kleinunternehmerregelung, bei der bis zu einer Grenze von 25.000 € Vorjahresumsatz keine Umsatzsteuer fällig wird.

Der Hauptberuf (Durchschnittlicher Start): Vollzeit-Coaches mit solider Positionierung landen im ersten Jahr realistisch bei 30.000 € bis 50.000 €. Das entspricht etwa dem durchschnittlichen Einstiegsgehalt angestellter Business-Coaches."

Damit bewege ich mich mit meinen Zahlen relativ im Mittelfeld bei meiner Konstellation (viel B2C, da die Menschen noch ganz am Anfang stehen mit ihrem Business), denn in diesen 3 Jahren sind einige Dinge passiert:

Jahr 1: Ich bin mit Jobcoaching gestartet, da ich aus der HR-Schiene kam. Da ich in den Jahren davor schon viel Content zum Thema gemacht hatte, kannten die Menschen mich für dieses Thema bereits. Zudem habe ich das damals fast ausschließlich über AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein vom Arbeitsamt) gemacht, wodurch meine Coachees nichts zahlen mussten. Das hat den Start definitiv erleichtert.

Jahr 2: Hier habe ich mich KOMPLETT umpositioniert, das Jobcoaching in die Tonne gehauen und 100% auf Existenzgründungsberatung umgestellt. Das Dumme war nur: NIEMAND kannte mich für dieses Thema. Das heisst, ich hab quasi bei 0 angefangen.

Das Gute war allerdings, auch hier konnte und kann ich mein Mentoring und meine Beratung über AVGS-Förderung (und hoffentlich bald auch BAFA-Förderung) anbieten, sodass meine Kund*innen wenig bis gar nichts selbst zahlen müssen, sofern sie Förderfähig sind. So konnte ich zwar meinen Umsatz nicht steigern, aber zumindest trotzdem welchen machen. Das bei alledem kaum Gewinn rauskam war eineigen Fehlinvestitionen meinerseits geschuldet. Shit happens, gerad auch im Business.

Jahr 3: Naja, da bin ich schwanger geworden und hatte HART mit depressiven Verstimmungen aufgrund des Hormonchaos zu tun. De facto nur 6 von 12 Monaten wirklich gearbeitet, weiterhin den Nebenjob gemacht und trotzdem war es Umsatz- und Gewinntechnisch mein bisher bestes Businessjahr. Bin ich stolz drauf, gerade WEIL ich "netto" nur 6 Monate wirklich gearbeitet habe.

Wenn du dich jetzt fragst: Häh, das ist ja aber so gar nicht shiny und warum macht sie denn keine 100k im Jahr?

Ganz einfach: weil es auf deine Positionierung, deine Konsistenz und Qualität in Bezug Sichtbarkeit, deine innere Klarheit und auch deine Zielgruppe ankommt. Naja una uch bissle darauf, was in deinem Leben sonst so los ist.

Wenn nur einer dieser Punkte noch nicht im Gleichgewicht ist, hat das Folgen für deinen Umsatz. Gerade in den ersten Jahren ist das aber vollkommen normal - das zeigen auch die Geschichten vieler sehr erfolgreicher Business-Owner (Schau dir mal die Stories von Steven Bartlett oder Alex Hormozi an - was auch immer man persönlich von ihnen halten mag, die Geschichten sind lehrreich).

Und bei mir war in den ersten Jahren einfach auch viel ausprobieren, verwerfen, verzweifeln, Chaos im Kopf, mangelnde Konsistenz und Fehlentscheidungen am Start.

Kurz zusammengefasst:

Die ersten Jahre sind hart und voller Rückschläge - worauf es ankommt ist, dass du weitergehst und nicht die Flinte ins Korn wirfst, sobald es mal n büsschen haarig wird.

Mein persönliches Fazit nach 3 Jahren (nebenberuflicher) Selbstständigkeit:

Es ist alles nicht so shiny, wie man denkt, wenn man auf Insta durch all die Erfolgsstories scrollt. JEDER erfolgreiche Mensch hat sich den Hintern aufgerissen, bevor es "easy" wurde.

Der Schlüssel ist aus meiner Sicht: dranbleiben, lernen, besser machen. So lange bis es funktioniert - das ist dann meist nur eine Frage der Zeit.

Aber wie heisst es so schön: von nix kommt nix.

Was mir geholfen hat nicht aufzugeben, war mein Supporter-Dorf: andere Selbstständige, die den Weg mit mir gemeinsam gehen und mir auch mal in den Hintern treten, wenn nötig.

Heute ist meine RainbowBizz-Community, ein Raum, in dem wir genau das finden: Gemeinschaft ohne Be- oder Abwertung, in der wir uns ausprobieren können und uns unterstützen, ohne dass sofort ne Rechnung geschrieben wird. Wenn du dazu mehr erfahren willst, klick einfach mal rein und lass uns quatschen!

Und damit schließe ich diesen schon viiiiel zu langen Blogartikel.

Wenn du bis hier hin gelesen hast: danke und Glückwunsch!
Deine Aufmerksamkeitsspanne ist länger, als die der meisten Menschen heutzutage 😘

Bis zum nächsten mal,
Deine Fischfleischgurke

*Affiliate-Link

Juni 2, 2026 |